Moin,
die Kinora wollte, dass ich mal meine Erkenntnisse zum Thema Thai-Curry niederschreibe. Dies sei hiermit getan.
Vorweg möchte ich erwähnen, dass Thai-Curry kein statisches Gericht ist. Es besteht eigentlich aus beliebigen Komponenten die jedoch ähnlich zubereitet und gewürzt werden. Es hat etwas von der Grundstruktur einer Pizza. Es gibt immer Teig, meist Käse und Tomaten, doch die Beläge entsprechen ganz dem Geschmack des Essers. Deshalb teile ich meine Zutaten und Zubereitungen in 4 Kochphasen ein, wo die einzelnen Zubereitungen beschrieben werden. Ich will hier noch darauf hinweisen, dass die Zutaten beileibe nicht alle aus der Thai-Küche stammen. Ich hab kein Problem da auch chinesische, vietnamesische oder japanische Gewürze/Saucen bzw. Zutaten mit reinzubringen. Allerdings ist das meiste schon in jedem Supermarkt erhältlich und nicht nur in Feinkostläden oder Asiamärkten. Trotzdem kann ich Asialäden empfehlen. Meist ist das Zeug dort viel billiger. In meinem gibt z.B. nen Kilo richtig dicke Garnelen schon für 10 Euro. Dazu dann noch gute, getrocknete Mu-Err und Shiitake Pilze, die Currypasten, Kokosmilch, Tofu, sowie das Sesam und Erdnussöl in höchster Qualität zum Minipreis. Auch der Reis ist hier günstig. Zumindest normalerweise. Gibt natürlich auch Abzockermärkte.
Das Fleisch, der Fisch und das Tofu.
Das Fleisch kommt bei meinem Curry immer als letztes dazu. Es zieht im fast fertigen Curry gar und bleibt so schön zart. Mögliche Fleischsorten sind:
- Straußenfleisch. Schön zart, trotzdem fest in der Konsistenz und dabei sehr gesund und fettarm. Am besten vorher kurz marinieren, z.B. mit etwas Currypaste und Sojasauce, max. 15 Minuten. Leider nicht immer billig. Sollte in sehr dünne Scheiben/Schnetzel geschnitten werden

- Hühnerbrust. Ebenfalls zart, wird aber leicht trocken, wenn es zu lange mitgekocht wird. Am besten auch vorher marinieren in Currypaste und etwas Sojasauce. Sehr preisgünstig und meine meistgenutzte Fleischzutat. Ebenfalls sehr dünn schnetzeln.

- Rindfleisch. Naheliegend ist hier Fleisch zum Kurzbraten, wie Hüftsteak, mageres Roastbeef oder Lende. Ich verwende meist Roastbeef und mariniere bzw. schnetzel es genau wie die Hühnerbrust und den Strauß.

- Garnelen. Gekocht oder Roh ist recht egal. Rohe sollten natürlich etwas früher hinzugegeben werden. Hauptsache ist jedoch, dass sie schön fleischig, geschält und darmfrei sind.

- Tofu. Tofu mag ich persönlich sehr gern, weil es eine angenehme Konsistenz hat, weil es Knusprig ist, und so einen leckeren Beitrag zum Essen gibt. Man muss es, bevor man es ins Curry gibt, scharf von allen Seiten anbraten, so das es schön goldbraun wird. Hab ich in jedem Curry drin und ist eine meiner Lieblingszutaten. Mir schmeckt am besten das sogenannte Seidentofu. Das andere, feste ist auch in Ordnung, aber nicht so toll, weil es oft etwas mehlig bzw. klumpig schmeckt. Das im Glas ist meist hart(bei den Asiasachen im Regal). Das Weiche ist spürbar nachgiebig und oft frisch im Kühlregal(z.B. bei Rewe) zu finden.

- Knusprig gebackene(s) Entenbrust/Hühnchen.Eigentlich ist die Zubereitung ganz einfach. Wichtig ist bei meinem Rezept das doppelte anbraten und die richtige Würzung. Und natürlich ein Stück Fleisch, wo noch die Haut dran ist. Eine Hühnerbrust mit Haut dran bekommt man natürlich nur, wenn man das Hühnchen selbst zerlegt, was meist zudem noch billiger ist. Man kann hier übrigens auch problemlos das Schenkelfleisch mit Haut dran nehmen, was zarter und saftiger(weil fettiger) als die Brust ist, wenn man da vorsichtig den Knochen herauslöst. Ich mach das so und verwende die Brust dann lieber für ein anderes Hauptgericht. Ich nehme vorher zudem noch etwas chinesisches 5-Gewürze-Pulver(5 Spices) und reibe das Fleisch damit ein. Dann brate ich ich es erstmal eine weile auf der Hautseite an, bis es goldgelb ist und drehe es dann kurz auf die Fleischseite. Dann nehme ich es aus dem Fett und tupfe es in Küchenpapier trocken. Hinterher wird es auf der Hautseite in Stärkemehl(oder notfalls normalem Mehl) meliert und dann wieder in das Fett gelegt. Schwierig ist dabei, dass das Fleisch fertig sein muss, wenn auch das restliche Zeug gar ist. Wenn es nämlich noch 10 Minuten rumliegt, ist es nicht mehr wirklich optimal zart, knusprig und warm.

Ich nehm immer 2-3 Sorten Fleisch.
Das Gemüse
Hier gibt es Auswahl wie Sand am Meer. Aber dennoch fallen einige Gemüsesorten grundsätzlich ganz raus. Dazu gehören: Kartoffeln(werden nicht wirklich gar, Süßkartoffeln sind ok), Tomaten(das passt einfach nicht, zumal sie beim Kochen matschig werden), Sellerie(unpassender Eigengeschmack) und Blumenkohl(das passt einfach nicht). Das meiste andere geht jedoch. Zuckererbsen-Schoten, Bohnen, Zwiebeln, Zucchini, Brocchol, Chinakohl, Sojasprossen, Auberginen, Paprika, Karotten, Maiskölbchen, Bambussprossen, Champignons, Shitake, Mu-Err-Pilze usw. usf.
Hier mal meine Lieblingszutaten:
- Zucchini. Sind zwar nicht besonders geschmacksintensiv, bleiben aber schön knackig und haben nen guten, angenehmen Biss. Einfach schneiden und reinwerfen.

- Auberginen/Thai-Auberginen. Die muss man vor der Verwendung in dünne geviertelte Scheiben schneiden und als erstes im Wok anbraten. Die saugen viel Öl. Und das müssen sie auch. Gibt man nicht genug Öl hinzu, werden sie nicht weich, sondern schmecken zäh bis zum Schluss. Also: in genug Öl(Cholesterinarm und Gesund, z.B. Erdnussöl oder Sesamöl) scharf anbraten.

- Shitake Pilze. Am besten man nimmt die ganzen, getrockneten. Rohe haben fast keinen Geschmack, während die wo mal getrocknet waren, richtig intensiv schmecken(viele Pilze, wie z.B. Steinpilze - verhalten sich ähnlich). Man sollte dabei nicht die Mini-Shitakes nehmen, mit 2-3 cm Hüten, sondern schon die mit mindesten 5-7cm Hut. Die sind fleischig und haben auch Aroma. Man muss die Pilze vorher etwa eine Stunde in ausreichend Wasser einweichen. Evtl .die Hüte in Viertel brechen, weil die manchmal schon ganz schön fett sind. Gibts leider oft nur im Asiamarkt, seltener im gut sortierten Supermarkt, oder hier bei Pilzshop.de:

- Champignons. Champignons einfach nur vierteln. Garnicht in kleine Scheiben schneiden oder so. Dann schmeckt man sie auch später noch. Man sollte sie erst am Ende mit anbraten, weil sie wie wild Öl saugen und weil sie nicht lange brauchen.

- Karotten haben eine schöne Konsistenz, weil sie dem Gericht etwas Biss hinzufügen. Ausserdem rundet ihr leicht süßlicher Geschmack das Essen gut ab. Eine Karotte einfach in 3mm dicke Scheiben schneiden und recht früh hinzufügen, damit sie am Ende nicht zu hart ist.

- Brokkoli. Einfach einen kleinen Brokkoli(oder nen halben) in kleine Röslein brechen/schneiden, mit anbraten und fertig. Mit den Karotten recht früh ins Curry geben.

- Paprika. Einfach aushöhlen, in Streifen schneiden und kurz nach Karotten und Brokkoli beigeben. Gibt dem Ganzen eine fruchtige Note. Eine Paprika reicht mir persönlich.

Ich nehm immer mindestens 5 Sorten Gemüße.
Die Gewürze und Saucen
Zu Curry gehört natürlich erstmal:
- Curry-Paste. Aber kein indisches oder sonstwelches, sondern natürlich Thai-Curry-Paste. Diese besteht aus einer ganzen Armada von Gewürzen, Reduktionen und ähnlichen Zutaten. Es gibt dabei drei wichtige sorten, zu deutsch: Rot, Gelb und Grün. Abhängig von der Wahl der obengenannten Grundzutaten, hat man hier eine Wahl zu treffen. Rot ist etwas Chili- bzw. Paprika-lastiger, Grün hat mehr Koriander oder schlicht die etwas herberen grünen Chilis, Gelb kommt zuweilvon von etwas mehr Kurkuma. Meist enthalten die drei wichtigsten Currypasten die selben Gewürze, jedoch in unterschiedlichen Mischverhältnissen. Oft auch nicht. Hier eine genaue Aussage darüber zu treffen, was da drin ist und welche Paste zu welchem Gericht am besten passt, ist ziemlich mühselig. Gelb soll jedoch eher zu fleischlastigen Gerichten mit Huhn oder Schwein passen, Ich mag eigentlich alle drei, kaufe auch immer drei Kübel im Asiamarkt und brauche sie dann nach und nach auf. Die halten ewig im Kühlschrank. Gibt’s auch im Supermarkt. Ist aber in meinem Sauteuer. Deswegen lieber beim Asia-Händler. Ich fahr da 2 mal im Jahr hin und kauf mir die drei:



- Kokosmilch. Klar, Thaicurry ohne Kokosmilch ist kein echtes Thai-Curry. Am besten in der Büchse zu etwa 250ml. Lasst euch nicht über den Tisch ziehen. Wenn die Dose mehr als 1€ im Supermarkt kostet ist das schon fast Wucher. Bekommt man ab 50 Cent im Asialaden.
- 5 Spices. Die Fünf-Gewürze-Mischung stammt eigentlich aus der chinesischen Küche. Ich finde sie passt aber auch gut zu Thai-Curry. Deswegen hab ich das Zeug oft, je nach Lust und Laune, mit drin.
- Süß-Sauer-Sauce/Chili-Süß-Sauer-Sauce. Die verwende ich oft zum Abrunden des Currys am Ende, vor allem wenn es etwas zu salzig von der Sojasauce ist. Gibt dem Ganzen eine angenehm fruchtige Note. Alternative: Hoi Sin Sauce(aus Pflaumen gemacht).

- Sojasauce. Der asiatische Ersatz für Brühe und Font. Ich verwende die von Kikkoman bzw. die Salzige:

Sojasauce, Curry und Kokosmilch sind erforderlich. Der Rest ist optional.
Beispielzutaten
Ich kann mir vorstellen, dass ihr beim ersten Thai-Curry die Mengenverhältnisse noch nicht so recht reinschätzen könnt. Deshalb zeig ich mal beispielhaft was bei mir so normalerweise reinkommt:
Eigentlich können davon etwa 3-4 Personen satt werden. Mir reicht es 2 Tage. Den Reis sollte man jeden Tag frisch machen.
- 1 mittlere Aubergine, in feine,geviertelte Scheiben geschnitten
- 1 mittlere Zucchini, in etwa 0,5cm dicke, in - abhängig von der Größe -halbierte oder geviertelte Scheiben geschnitten
- 1 Karotte, in 0,2 cm dicke Scheiben geschnitten
- 1 kleiner Brokkoli
- 1 Paprika, Rot oder Grün
- 10 eher kleine Champignons, geviertelt
- 5-7 große, getrockente Shiitakes in viertel brechen und eine Stunde vorher einweichen.
- 2 Hühnerbrüstchen
- Eine gute Hand voll aufgetauter, abgetropfter, fleischiger Garnelen
- ca. 250g Tofu(am besten Seitentofu)
- 3-4 Esslöffel Grünes Curry
- 5-6 Esslöffel Sojasauce
- Eine 250ml Büchse Kokosmilch
- 2-3 Esslöffel Chili Süß-Sauer-Sauce
- Knofi, Ingwer, frischer Koriander, Thai-Basilikum nach Wunsch.
- Pro Person eine halbe bis ganze Tasse Basmati-Reis, vorher 7 mal waschen und Wasser abgießen.
Die Kocherei
Alles beginnt damit, dass man sich seine Zutaten zurechtlegt. Man schneidet alles in mundgerechte Stücke - mal abgesehen von Dingen die man vorher noch im ganzen Braten muss, wie z.B. die knusprige Entenbrust. Es darf nicht zu klein geschnitten werden, weil das Gemüse sonst seinen Eigengeschmack verliert und evtl. gar matscht, sobald man es nochmal aufwärmt. Denn mit dem Aufwärmen kann man, zumindest wenn man nur für sich selbst kocht, schonmal fest rechnen. Es gibt einfach kein so kleines Gemüse, als das man da dann am Ende nur eine Portion hätte. Und da man verschiedene Sorten braucht, kommt da schon ein ganz schöner “Trog” zusammen.
1. Phase: das Gemüse anbraten
Vor allem anderen nehmt ihr euch nun erstmal einen Topf, gebt einen spritzer Sesamöl oder Erdnussöl rein, lasst das heiss werden und gebt dann den gewaschenen Basmati rein, um ihn kurz anzubraten. Dann 2 mal soviel Tassen wie Reis mit Wasser füllen und aufgießen. Reis etwas salzen, eine gute Prise Zucker reingeben, aufkochen lassen, einmal umrühren, Deckel drauf und auf 1/3 Hitze runterdrehen. Das Aufkochen gleichzeitig mit dem Gemüse-Anbraten machen. Bis zum Ende nicht mehr umrühren. Sollte das Curry länger als 15 Minuten dauern, einfach die Hitze ausdrehen und auf der Platte stehen lassen.
Falls ihr Auberginen nehmt, müsst ihr die immer zuerst im Wok brutzeln. Aufs Öl achten und schön anbraten, damit sie Farbe bekommen. Die sollten nach dem braten glasig wirken und nicht weiß, denn weiße Auberginen schmecken zäh und doof. Hinterher darauf achten, dass auch noch Öl fürs folgende Gemüse drin ist. Dann die Karotten und den Brokkoli, den Paprika und die Zwiebeln und schließlich alles weitere beigeben, wobei die Champignons zum Schluss kommen sollten, weil man sonst zuviel Fett braucht. Das lasst ihr nun kurz, aber ruhig scharf anbraten. Röstaromen sind wichtig für das Endergebnis. Also das Zeug ruhig etwas Farbe nehmen lassen.
2. Phase: der Aufguss
Zunächst gebt zum Gemüse erstmal etwa ein drittel der Currypaste und röstet sie kurz mit an. Die löscht ihr dann mit nem ordentlichen Spritzer Sojasauce ab(vielleicht 5-6 Esslöffel). Nun schwenkt ihr das Gemüse etwas und gebt dann ca. 80% der Kokosmilch rein. Den Rest gebt ihr kurz vor Schluss dazu, weil der Kokosgeschmack bis dahin etwas verloren geht. Lass das ganze nun unter häufigem umrühren aufkochen und gebt dann den Deckel drauf. Die Hitze kann nun etwas runtergedreht werden. Auf so 60-70%.
3. Phase: die Würzung.
Je nach Geschmack etwas Salz/Sojasauce, Chiliflocken/-Pulver, 5-Spices, Süß-Sauer-Sauce und am Ende den Rest der Kokosmilch beimengen. Optional kann man hier noch Knofi, Ingwer, frischen Koriander, sowie Thaibasilikum mit hinzugeben.
Nun sollten etwa 10 Minuten vergangen sein.
4. Phase: Fleisch/Tofu/Garnelen
Dreht die Hitze wieder etwas höher und gebt nach und nach alles an frischem Fleisch, gebratenem Tofu und Garnelen bei, was ihr möchtet. Gebratene Hühner-/Entenbrust nicht hier schon beigeben, sondern beim Servieren mit auf das Curry legen. Dann den Deckel drauf, Hitze wieder runter und garziehen lassen.
Achtet beim Fleisch und bei den Garnelen darauf, dass kein zusätzliches Wasser mit ins Curry kommt. Also nicht einfach gefrorene Garnelen reinwerfen, sondern die vorher unter fliesendem Wasser abtauen und dann abtropfen lassen. Sonst wird die Sauce zu flüssig.
Anrichten
Am besten man lässt Curry im Wok und Reis im Topf und stellt es auf den Tisch bzw. füllt alles in Schüsseln um. Dort kann sich dann jeder immer soviel rausnehmen, wie es beliebt.
Schlusswort
Lasst euch bitte von der Menge an Text hier nicht entmutigen. Eigentlich muss man nur wenig dabei beachten. Gemüse rein, Kokosmilch und Curry hinterher, aufkochen, Fleisch rein, fertig. Diese Wall of Text hier sieht nur so gewaltig aus, weil ich die Zutaten etwas ausführlicher beschreiben wollte. Eigentlich ist es ganz einfach. Etwas kompliziert wird es nur, wenn man zugleich noch die Hühnerbrüstchen knusprig braten will und das Tofu noch nicht bereit ist, sondern nebenher brutzelt.
Achja: wenn ihr die Thumbnail-Grafiken oben im Großformat angucken wollt: rechts drauf klicken und “Grafik anzeigen” wählen.
Dann mal Guten Appetit. Ich hoffe es schmeckt euch.
Bis denne,
Kulin